LAgAtom unterstützt Stellungnahme zum Ergebnis der Kommission Lagerung hoch radioaktiver Abfälle

Antiatom-Dose

Die Kommission zur Lagerung hochradioaktiver Abfallstoffe ist gescheitert. Dieses Resümee muss man leider ziehen. Zwei Jahre Kommissionsarbeit lassen nichts außer einem Scherbenhaufen zurück. Oder außer Spesen nichts gewesen, wie es die gemeinsame Erklärung von über 50 Anti-Atom-Initiativen, darunter auch LAgAtom, formuliert. Wobei man zugeben muss, dass die Spesen beträchtlich sind.

Außer Spesen nichts gewesen (Gemeinsame Erklärung der Initiativen der Atommüllkonferenz)

Über zwei Jahre hat die Atommüllkommission mit hohem personellem und zeitlichem Aufwand an der Erstellung ihres Berichtes gearbeitet. Am Ende ist sie über die Ergebnisse des AKEnd aus dem Jahr 2002 kaum hinaus gekommen. Politik und Kommission haben sich den Forderungen aus der Anti-AKW-Bewegung nach

  • Beendigung des Projektes Gorleben,
  • Einbeziehung aller Arten radioaktiver Abfälle,
  • offene und gründliche Untersuchung alternativer Lagermethoden,
  • Aufarbeitung der Fehler der Vergangenheit und
  • echte Öffentlichkeitsbeteiligung die über den puren Gestus hinausgeht

verweigert. Damit wurde einerseits die Chance nach einer neuen gesellschaftlichen Vertrauensbasis in die künftige Atommüllpolitik fahrlässig vergeben. Andererseits erwies sich die Weigerung auch gegenüber den realen Entwicklungen als politischer Fehler. Das eine konkrete Ergebnis, die Forderung nach einem Exportverbot für hoch radioaktive Abfälle, wird von der Bundesregierung ignoriert. Weiterlesen

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Scoping-Termin für den Rückbau des AKW Krümmel lässt viele Fragen offen

krümmelAm vergangenen Montag, den 27. Juni 2016, fand in Geesthacht der Scoping-Termin für das AKW- Krümmel statt. Nachdem Vattenfall am 24.08.2015 nach langem Zögern den Stilllegungsantrag gestellt hat, war das der erste Termin im rechtlich vorgeschriebenen Beteiligungsverfahren. Die Aufsichtsbehörde aus Kiel, das MELUR, hatte zu der Beratung über den Prüfrahmen für die Umweltverträglichkeitsprüfung Behörden, Umweltverbände und Anti-Atom-Initiativen (darunter auch LAgAtom) geladen.

Die wichtigste Frage: will Vattenfall denn überhaupt den Reaktor stilllegen, blieb auch bei diesem Termin unbeantwortet. Noch im Januar hatte der technische Leiter der Nuklearsparte des Konzerns bei einer öffentlichen Veranstaltung angekündigt, man werde bei einem Erfolg der laufenden Klage gegen das Ausstiegsgesetz nicht von einer möglichen Stilllegungsgenehmigung Gebrauch machen und könne den Reaktor dann binnen Jahresfrist wieder anfahren.

Beim Scoping-Termin wurde nun also besprochen, was passieren soll, falls Vattenfall die Klage verliert. Doch auch das blieb an vielen Stellen unklar. Weiterlesen

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Vattenfall setzt Image-Kampagne mit Infoabend in Geesthacht fort

krümmelMit dem Stilllegungsantrag zum Rückbau des AKW Krümmel hat Vattenfall parallel auch eine Kampagne gestartet, um das ramponierte Ansehen aufzupolieren. Weit über den gesetzlichen Rahmen hinaus, so der eigene Anspruch, möchte man die BürgerInnen am Rückbauprozess beteiligen.


14.07.16; 18:00; Oberstadttreff Geesthacht

Vattenfall Infoveranstaltung zum Rückbau des AKW Krümmel

Hingehen und unbequeme Fragen stellen!


Diese „erweiterte“ Bürgerbeteiligung beinhaltet dabei Infoabende für  die breite  Öffentlichkeit. Einen Termin in diesem Format fand am 28.01.16 statt. Doch wirkliche Infos zu den konkreten Planungen beim Rückbau gab es dort nicht. Mögliche Risiken und Probleme wurden gar nicht erwähnt. Dafür kochte der Saal, als der Betreiber so ganz nebenbei einräumte, dass man weiterhin hofft, per Gericht einen Weiterbetrieb zu erzwingen.

Inzwischen liegt der Sicherheitsbericht vor und an vielen Stellen bleibt die Frage: was haben die denn eigentlich vor? Für das Lager für den Schwach- und Mittelradioaktiven Müll nennt der Bericht z.B. alleine fünf verschiedene Alternativen, drei Neubauvarianten. Der Atommüll könnte aber auch zu den Castoren ins Standortzwischenlager gestellt werden oder man könnte ihn auch an einem anderen Ort außerhalb Geesthachts lagern. Wie soll da einE AnwohnerIn einschätzen, ob es eine Betroffenheit oder Gefährdung gibt, wenn die Pläne so unkonkret bleiben. Weiterlesen

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Kommentar: Katze aus dem Sack… oder Ausstieg aus dem Ausstieg…

Bild: CC-0, PublicDomain. Quelle des Originals: "http://www.publicdomainpictures.net/view-image.php?image=24977&picture=katze-im-sack", Nachbearbeitung: LAgATom PublicDomain

Bild: CC-0, PublicDomain.
Quelle des Originals: „http://www.publicdomainpictures.net/view-image.php?image=24977&picture=katze-im-sack“, Nachbearbeitung: LAgATom
PublicDomain

„Atomausstieg? Nein Danke!“ tönt es auf EU-Ebene.

Mit dem geleakten Dokument des „SET-Plan-Sekretariats“ der EU-Kommission werden die zukünftigen Atom-Ideen der Europäischen Union veröffentlicht und entfalten in der Öffentlichkeit ein – sagen wir mal ein… Püffchen.

Keinen Donnerschlag, kein Erdbeben, ein Püffchen…

Dabei handelt es sich doch um ein Papier höchster Brisanz, denn nicht weniger als den massiven Einstieg in die Atomkraft will die Europäische Union damit verwirklichen! Und dies 5 Jahre nach dem schwersten Atom-Mega-GAU, den sich die Menschheit nie vorstellen wollte.

Es soll eine neue Generation von Atommeilern entstehen, kleine robuste Reaktoren (small modular reactors (SMR) heißen die), die wenig kosten und deren Sicherheit, naja, sagen wir mal „angemessen“ sein soll.

Ja, und Atommüll gibt es  auch. Aber was heißt denn dieser EU-Bamtensprech: „Towards 2050 the availability of designs offering increased uranium resource efficiency and lower long-lived waste production may become attractive for utilities.„?

Sehr interessant hört sich auch folgender Spiegelstrich in der Liste der Freigabekriterien an: „– concerted efforts to reduce NPP capital costs through construction schedule reduction, simplification of design, standardisation, and construction in series;

…Kostenreduzierung, Vereinfachung des Designs und Serienproduktion.

Das hört sich nicht nach einer kleinen Nummer an. Das hört sich an, als hätte die Atomlobby voll zugeschlagen… Oder: „– assured and diversified nuclear fuel supplies;“ Ja, mit allem, was noch zur Verfügung steht soll nuklear angefeuert werden.

Zu allem Überfluss lesen sich in diesem Strategiepapier namens „Nuklear-Förderplan der EU-Kommission 2016“ auch wieder die altbekannten Märchen: „(…), in view of the increasing requirements for more flexible energy sources and non-fossil fuel process heat (…)„.

Also Atomkraft als saubere, angeblich CO2-freie Energie?

Nicht mit uns!
Keine Neuauflage der Atomkraft – durch welche Hintertür auch immer!

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Kommentar: Falsche Rücksicht…

Euro coins and banknotes.jpg

Kohle für Atomrückbau – Foto: Avij (Diskussion · Beiträge) – Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=30112364

Nun geht’s im wahrsten Sinne des Wortes um’s Eingemachte… Nämlich, um die steuerfreien Rückstellungen der Atomkon- zerne, die sie seit 1961, dem Jahr der ersten kommerziellen Atomzündung in einem west- deutschen Atomkraftwerk, an- gehäuft haben.

Und das sind seitdem mindestens 38 Milliarden Euro (1999 waren es laut Spiegel knapp 74 Milliarden D-Mark). Steuerfrei und zur freien Investition. So wurde damit auf große Shoppingtour gegangen: Alles, was die Profite weiter in die Höhe kurbelte, vor allem Telekommunikationsunternehmen wurden sich unter den Nagel gerissen. Darüber berichtete schon 1999 „Analyse & Krtik“ sehr ausführlich.

Nun, 17 Jahre und einen Mega-GAU später, sieht die Situation etwas anders aus. Die „vier Großen“ (RWE, e.on, Vattenfall und EnBW) befanden sich über die letzten 5 Jahre, seit Fukushima, offenbar in der strategischen Schockstarre, kümmerten sich nur wenig um eine Modernisierung ihrer Unternehmen und vor allem um ihre Klagen gegen den Ausstieg. Zwischenzeitlich drohten alle, wie die Lemminge die Klippen herunter zu stürzen – frei nach dem Motto: VoRWEggehen…

Seit dem versuchen die Atomiker alles Mögliche: Auslagerung unrentabel gewordener Geschäftsbereiche in Zweitkonzerne –sozusagen in „Bad Banks“– und nachdem sogar die Bundesregierung den Braten gerochen hatte nun die Rolle rückwärts: Auslagerung der rentablen Geschäftszweige in Zweitkonzerne…

Damit dies nicht ohne Sicherung der Rückstellungen vonstatten gehe, sollte eine Kommission diese Gelder vor dem Orcus sichern. Aber weit gefehlt: Die Kommission schritt voran und fand auf halber Strecke einen Satz Samthandschuhe, mit denen nun die vier großen lediglich 23 Milliarden von den insgesamt 38 Milliarden rausrücken sollen.
Und gut damit??? Den Rest zahlen, wie immer, wir, die Steuerzahler_innen???

Bei dieser Vorteilsverschaffung für die Atomindustrie, liegt die Assoziation, die wiederum mit Fukushima zu tun hat, ganz nah: Das japanische „Atom-Dorf“. Von Politiker_innen unterstützt, von den Medien lanciert und die japanische Mafia immer dabei…

Schluss damit!

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Kommentar: Tabletten gegen Abschaltung…

Luftbild des Kernkraftwerks Doel-3

Luftbild des Kernkraftwerks Doel-3 Von Wwuyts – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4283535

Die belgischen Reaktoren Tihange, etwa 50 Kilometer von Aachen entfernt und Doel bei der Metropole Antwerpen, stehen seit Jahren in der Kritik. Nach anfänglichen Vertuschungsversuchen und Beschwichtigungen wurde aufgedeckt, dass beide Reaktoren rissig sind – ein Anzeichen von Materialermüdung und Sprödigkeit. Beide Reaktoren weisen bis zu 18cm lange Risse auf.

Eine sofortige Abschaltung ist eigentlich die logische Konsequenz – also nicht lang fackeln, bevor die Reaktoren abfackeln.

Anders sieht es seit eben so langer Zeit, die belgische Atomaufsicht, die ein ums andere Mal das Wiederanfahren der Reaktoren genehmigte, trotz ausgewiesender Pannenserien in beiden Reaktoren.

Blick auf das Kernkraftwerk Tihange mit seinen Kühltürmen

Blick auf das Kernkraftwerk Tihange mit seinen Kühltürmen Von Michielverbeek – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5747203

Anfang diesen Jahres kochte diese Problemlage erstmals in der bundesdeutschen Politik so weit hoch, dass sich die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks genötig sah in Gesprächen mit der belgischen Regierung Kontakt aufzunehmen und darauf zu drängen, dass beide Reaktoren bis zu einer eingehenden Untersuchung der Sicherheit abgeschaltet werden. Leider blieben diese Versuche ohne Erfolg.
Die Aachener Stadtregierung ergriff öffentlichkeitswirksam die Initiative und ließ Jodtabletten an die gesamte Bevölkerung verteilen…

Nach den jüngsten Terroranschlägen in Brüssel wurde bekannt, dass beide AKW-Standorte offenbar schon seit langem im Visier von Terroristen standen. Ein Zusammenhang mit häufigen Drohnensichtungen über belgischen und französischen Atomkraftwerken in den letzten Jahren (vor allem 2014) wurde jedoch nicht hergestellt – auch von den Medien nicht.

Nun zieht die belgische Regierung offenbar die Reißleine: Sie … ja … hmmm … Sie lässt Jodtabletten verteilen – landesweit – nach offizieller Begründung: Weil die beiden Reaktoren Tihange und Doel ja eventuell doch nicht ganz so sicher sind…

Verstehe das, wer will – ich verstehe es nicht!
Wenn die Reaktoren nicht sicher sind, gehören sie abgeschaltet und Jodtabletten sind bei einem SuperGAU keine lebensrettende Maßnahme, bestenfalls ein kleines Element im Gesamtzusammenhang! Dagegen wäre die Abschaltung auf jeden Fall sicherer…

Abschaltung ALLER Atomanlagen – Sofort!!!

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Kommentar: Wahnsinn in der Ukraine…

Block 1 und 2 des Kernkraftwerks

Von alexndm – Panoramio, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18009657

Nachrichten brauchen Aufhänger. Deshalb fand diese Meldung vermutlich erst jetzt , ein Jahr danach und pünktlich zum 30. Jahrestag der Atomkatastrophe von Tschernobyl den Weg in die Schlagzeilen: Die Ukraine will zwei neue Atom-Reaktoren (zuende) bauen!

Ansich schon ein Skandal, wenn man bedenkt, dass der SuperGAU vor 30 Jahren unzählige Strahlenopfer in ganz Europa verursacht hat – allein bei den Sofortmaßnahmen am noch offenen und brennenden Reaktor wurden 1986 rund 800.000 so genannte „Liquidator_inn_en“ eingesetzt, von denen in kurzer Zeit, so wird angenommen, 100.000 wegen ihrer viel zu hohen Strahlenexpositionen starben.

Laut aktuellen Darstellungen in verschiedenen Veröffentlichungen der letzten Tage sind europaweit wohl rund 9 Millionen Betroffene der atomaren Wolke aus Tschernobyl zu beklagen. Und die Wirkung reißt nicht ab, denn die Halbwertzeiten von Cäsium137 beträgt 30 Jahre und von Strontium90 rund 28 Jahre. Man rechnet rund 10 Halbwertzeiten bis zum nahezu kompletten Zerfall.

Was passiert nun in der Ukraine:
Khmelnitsky-Google-MapsGeplant ist, einen Block des AKW Khmelnitsky NPP bei Netischyn vom Ukrainischen Stromnetz abzutrennen und den erzeugten Strom komplett in Richtung des benachbarten Polen zu exportieren.
Aus den Erlösen sollen dann die beiden seit 1986 und 1987 als Bauruinen in der Landschaft stehenden Blöcke 3 & 4 zuende gebaut werden. Ein Himmelfahrtskomando, denn sieht man sich die Bauruinen via Google-Maps auf dem Satellitenbild an, so ist der eine Block bereits mit Turbinenhalle fast fertig gebaut, die Reaktorkuppel jedoch noch offen, während der Block 4 noch komplett im Rohbau steht. Seit 30 Jahren!!!

All das scheint noch nicht zu reichen: Partnerkonzern beim Weiterbau ist ausgerechnet der Belgische Atombetreiber Electrabel! War da nicht was? Ja: Elektrabel betreibt und verteidigt mit Zähnen und Klauen den Weiterbetrieb der beiden Belgischen Pannenreaktoren Doel und Tihange!

Und um dem allen noch die Krone aufzusetzen: Diese Pläne sollen von der Europäischen Union gefördert werden.

Zumindest verbalen Gegenwind gab es zunächst einmal durch die atompolitische Sprecherin der Grünen,  Sylvia Kotting-Uhl: „…das ist völlig unverantwortlich!“, sagte sie in einem Interview mit NDR-Info, resp. DLR…

Wir beobachten das weiter…

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Atommüll-Kommission: Ein gescheiterter Neustart

Erklärung von Standortinitiativen, Anti-Atom-Initiativen und Umweltverbänden zur Begründung, warum sie der von der Atommüll-Kommission veranstalteten „Konsultation Endlagerbericht im Entwurf“ am 29. und 30. April fernbleiben.

Diese Kommission ist nicht unsere Kommission und dieser Bericht ist nicht unser Bericht. Weder die Arbeit der Kommission noch ihre Ergebnisse konnten Vertrauen schaffen – im Gegenteil:

Dies ist kein Neustart beim Umgang mit dem Atommüll, sondern die Fortführung eines
falschen und gescheiterten Verfahrens:

  • Die Kommission ist dem im Standortauswahlgesetz formulierten Anspruch, die Fehler der Vergangenheit aufzuarbeiten, mitnichten gerecht geworden.
  • Die Kommission hat nicht einmal ernsthaft versucht, alternative Lageroptionen zu prüfen. Sie hat stattdessen nahtlos den auf tiefengeologische Lagerung fixierten Weg fortgesetzt, der in der Vergangenheit zu den Havarien in der Asse und Morsleben führte.
  • Die willkürliche politische Entscheidung für den geologisch ungeeigneten Standort Gorleben wurde nicht revidiert, sondern durch politisch motivierte Kriterien- Benennung erneut begünstigt.
  • Eine breite gesellschaftliche Debatte zum am wenigsten risikoreichen Umgang mit dem Atommüll hat es nie gegeben: weder vor der Verabschiedung des Gesetzes, noch während der Arbeit der Kommission.
  • Die Öffentlichkeit wurde in der Kommission weder frühzeitig noch angemessen beteiligt. Die „Beteiligung“ reduzierte sich auf informatorische Anhörung ohne jede Ergebniswirksamkeit.

Umweltgruppen und Initiativen werden nicht an einem Prozess teilnehmen, der lediglich bereits erkannte Fehler der Vergangenheit wiederholt. Als Feigenblatt für diesen Irrweg stehen wir auch weiterhin nicht zur Verfügung: Deshalb kommen wir nicht zur öffentlichen Vorstellung des Berichtes der Kommission Lagerung hochradioaktiver Abfallstoffe am 29./30. April.

Die Abgeordneten des Bundestages dürfen sich und die Gesellschaft mit diesem Kommissions-Vorschlag nicht in eine erneute Sackgasse führen lassen. Wir fordern die Politik abermals auf, einen ernsthaften Neuanfang in der Atommüllfrage anzugehen, der einen verantwortungsvollen Umgang mit der radioaktiven Hinterlassenschaft des Atomzeitalters eröffnet.

Weitere Infos

70 Initiative und Verbände haben diese Erklärung unterzeichnet: Weiterlesen

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Kommentar: „…die sichersten Atomkraftwerke der Welt…“

Nicht nur, dass alle Regierungen der Welt ihren jeweiligen Bevölkerungen erzählen, dass ausgerechnet in ihren Ländern „die sichersten Atomkraftwerke der Welt“ stünden – und dass Unfälle, ja SuperGAUs, wie in anderen Teilen der Welt nie und nimmer passieren können…

Solche regierungstechnischen Gewissheiten können ja eigentlich nur auf Kalkül, Dummheit oder Falschinformationen beruhen.

Wie sich in den letzten Wochen herausstellte, könnte eine Quelle der Falschinformationen nun trocken gelegt sein: Der angenommen hohe Sicherheitsstandard deutscher Atomkraftwerke durch die stetige Überwachung und Zertifizierung der verwendeten Einbauten und Bauteile…

Es stellte sich kürzlich heraus, dass im Atomkraftwerk Philippsburg 2 von einem Mitarbeiter Überprüfungsprotokolle angelegt wurden, die jedoch nie stattgefunden hatten. Nun fragen sich die Kommentator_innen, ob dieses Vorgehen auch in anderen Atomkraftwerken stattgefunden habe?

Inzwischen wird klar, dass es auch im AKW Biblis zu Unregelmäßigkeiten und gefälschten Überprüfungen kam (siehe hier: hessenschau.de & www.welt.de).

Die jüngsten Meldungen beziehen sich aber in dieser Reihe auf französische Atomkraftwerke, in denen offenbar ganz ähnliche Praktiken zum Einsatz kamen!

So beruft sich heute die Südwest-Presse online auf „Die Welt“:

Zudem ist bekannt geworden, dass in französischen Kernkraftwerken minderwertige Ersatzteile eingebaut wurden. Darüber berichtet „Die Welt“. Schuld sei ein Zulieferer, bei dem ein Mitarbeiter Sicherheitszertifikate für Metallteile gefälscht haben soll. Bauteile, die in der Nuklearindustrie verbaut werden, unterliegen strengen Sicherheitskontrollen. In diesem Fall soll der Mitarbeiter für Teile, die nicht den Anforderungen entsprachen, Zertifikate gefälscht haben. Noch sei unklar, wie groß das Ausmaß des Betrugs ist und welche Auswirkungen es auf die Sicherheit der 58 französischen Anlagen haben könnte, schreibt „Die Welt“.“        (Quelle: Südwest-Presse online)

Wir erinnern bei alledem nur an die Vorkommnisse in den AKW Krümmel, Brunsbüttel und weiteren, bei denen sich die damalige Firma AWECO (siehe FOCUS, 6/93) mit gekauften TÜV-Stempeln selbst Zertifikate ausstellte und Baugruppen, Bauteile und Einbauten, die offensichtlich mangelhaft waren, selbst zertifizierte. Auch über die Bauphase des AKW Grohnde wurde von solchen Machenschaften der gleichen Firma berichtet.


Aktueller Buchtipp:

am 26. April 1986 kam es in Tschernobyl zum bisher schwersten
Nuklearunfall seit Beginn der Kernenergienutzung. Ein zweiter Vorfall,
dem auf der Internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse
(INES) ebenfalls die Höchststufe 7 zugeordnet wurde, ereignete sich im
März 2011 im japanischen Fukushima. Der soeben erschienene Titel

Nukleare Katastrophen und ihre Folgen
30 Jahre nach Tschernobyl – 5 Jahre nach Fukushima
(herausgegeben von Wolfgang Liebert, Christian Gepp und David
Reinberger)

nimmt die Jahrestage der beiden Unfälle zum Anlass, die Unfallabläufe
und Unfallfolgen unter verschiedensten Gesichtspunkten wissenschaftlich
zu beleuchten. Der Fokus liegt dabei nicht nur auf den technischen
Aspekten der Katastrophen, sondern insbesondere auch auf den sozialen
und politischen Auswirkungen der Unfälle. Es werden Fragen nach
technischem und menschlichem Versagen gestellt und grundsätzliche
Probleme der Kernenergienutzung analysiert.

Der Sammelband richtet sich daher nicht nur an Fachleute, sondern bietet
auch Laien die Möglichkeit, sich ein eigenes Urteil über die Vorfälle
und die Energiegewinnung durch Atomkraft zu bilden.

Weitere Informationen finden Sie auf dem Werbeflyer oder auf unserer
Website unter <http://www.bwv-verlag.de>www.bwv-verlag.de.
Wir hoffen, Ihr Interesse geweckt zu haben, und würden uns freuen, wenn
Sie diesen Titel auch weiterempfehlen.

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Kommentar: Es braucht keinen Tsunami…

Fukushima I by Digital Globe B.jpg

Von Digital Globe – Earthquake and Tsunami damage-Dai Ichi Power Plant, Japan, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14983011

Nach dem SuperGAU vor 5 Jahren, in gleich mehreren japanischen Reaktoren des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi hörte man beim folgenden „Stresstest“ europäischer Atomkraftwerke gelegentlich das Argument: So was könne ja in den Europäischen AKW nicht passieren, hier gäbe es ja keine Tsunami-Wellen und Überschwemmungen seien auch sehr unwahrscheinlich…

Der Hintergrund war, dass nach dem verheerenden Erdbeben der Stufe 9 auf der Richterskala ein noch verheerenderer Tsunami die Nord-Ostküste Japans überschwemmte. Hielten bis dahin die Bauten des AKW Fukushima noch stand, so wurden nun durch die gewaltigen Wassermassen, die Notstromdiesel, samt ihrer Steuerung außer Kraft gesetzt. Einzig einige Notfallbatterien lieferten noch wenige Stunden Strom zum Betrieb der Notkühlung. Sie versagten jedoch kurze Zeit später und das Atomkraftwerk trudelte der unaufhaltsamen Überhitzung und letztlich mehreren Kernschmelzen entgegen.

Kernkraftwerk Fessenheim mit den beiden Reaktorgebäuden (Aufnahme von Südosten, 2010), im Vordergrund der Rheinseitenkanal, dazwischen liegen die zwei Lager- und Abklingbecken für die Brennstäbe.

Von Florival fr – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10547155

Das französische Atomkraftwerk Fessenheim, 25km von Freiburg im Breisgau entfernt, zeigt nun ein Szenario, was wieder einmal niemand vorher sehen konnte: Eine Leckage führte dazu, dass sich über die Kabelkanäle und -schächte ein Wasserstrom bis in Schaltschränke und Notfalleinrichtungen ergießen konnte, der in 2014 fast zu einer Unbeherrschbarkeit des Atomkraftwerks führte.

Und wie bei jedem Szenario erkennt man das Grundmuster: Passiert ein Unglück, wird dies zur Blaupause für Sicherheitsüberprüfungen benutzt. Weitergehende Sicherheitslücken oder -szenarien kommen den Betreiber_innen und Verantwortlichen nicht in den Sinn… So werden zwar bestehende Sicherheitslecks nach dieser Blaupause entdeckt, aber die unendlich vielen anderen Möglichkeiten bestenfalls erst dann in Betracht gezogen, wenn das Unglück bereits passiert ist.

Nach diesem Muster sind die Meldungen von öffentlich-rechtlichen Rundfunksendern und einiger Tageszeitungen zu werten, dass nun, nach Entdecken dieses hochbrisanten Sicherheitsproblems mehrere französische AKW offenbar das gleiche Problem aufweisen.

So dürfen wir uns auf weitere Unfälle, Störfälle, beinahe-GAUs oder SuperGAUs nahezu verlassen? Oder, wie der ukrainische Strahlenbiologe und -mediziner Konstantin Loganovsky sagt: „Es ist doch klar, dass Fukushima nicht der letzte atomare Unfall war. Speziell in Westeuropa und in den USA ist die Dichte der Reaktoren enorm hoch. Und etliche laufen noch, obwohl ihre ingenieurtechnische Lebenszeit längst abgelaufen ist.“ (Quelle: www.taz.de, »Strahlenforschung nach dem Atomgau – „Vergiftete Wissenschaft“«, vom 21.4.2016)

 

 

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