Auftaktveranstaltung zur Teilgebietekonferenz Tag 1: Untere Grenze für die Endlagersuche nur gegriffen

Wer auf der Konferenz kritische Gegenstimme hören wollte, wurde gänzlich enttäuscht. So musste man einfach glauben, was die BGE-WissenschaftlerInnen da erzählt haben. Im Vorfeld hieß es von BASE, dass die kritische Bewertung durch die Gruppe der WissenschaftlerInnen im Raum abgedeckt würde und dass es deshalb keine Gegenstimme auf dem Podium brauche. Die kamen aber nicht direkt zu Wort, sondern mussten Fragen und Anmerkungen wie „wir Laien“ im Chat machen. Ein Teil der Fragen wurde dann vom Moderatorenteam ausgewählt und im eigenen Wort an die ReferentInnen gestellt. Zum Teil wurde der Inhalt der Frage dabei verändert und  nie wusste man, von wem diese Frage kam, es sei denn, man hatte sie in dem unübersichtlichen Chat wiedergefunden.

Eine echte 1:1 Kommunikation zwischen Publikum und ReferentInnen inklusive Nachfragen, wenn die Antwort nicht ausgereicht hat, oder gar ein Dialog zwischen den TeilnehmerInnen, war technisch nicht möglich. Immer wieder wurde betont, dass die anderen Fragen (am Samstag geschätzte 80 %) nicht verloren gehen, sondern im Nachhinein auf der Plattform der BGE beantwortet werden.

Häh im Nachhinein? Ich dachte die Gruppe der WissenschaftlerInnen im Raum hätten die Funktion, für „uns Laien“ die Aussagen der BGE zu bestätigen oder kritisch zu korrigieren. Das hat schon einmal so nicht geklappt.

Auch wenn vieles andere auf der Auftaktveranstaltung zur Teilgebietekonferenz offen blieb, eines wurde deutlich: das Vorgehen der BGE ist an vielen Punkten so gestaltet, dass es im Zweifel für die Eignung entscheidet. Insbesondere gilt das dann, wenn die Datenlage nicht reicht. Einige Beispiele finden sich unten.

Das kann man sicher so machen und es verhindert, dass Gebiete ohne Daten automatisch außen vor sind. Dann darf man sich aber nicht hinstellen und behaupten, das Ergebnis sei: „54 % des Bundesgebietes sind für ein Endlager geeignet.“ Richtiger wäre hier. „Wir können schon jetzt sagen, dass 46 % des Bundesgebietes ungeeignet sind. Für den Rest können wir entweder eine Eignung belegen oder uns reichen die Daten noch nicht.

Beispiel Salz

In älteren Gutachten der BGR werden ausschließlich Salzstandorte als geeignet für ein atomares Endlager eingeschätzt, die oberhalb von 750 bzw. 1000 Metern Geländeoberkante liegen. Deshalb wurden alle Salzstrukturen im Landkreis Lüneburg, die  nun Teilgebiete sind, aussortiert.

Die BGE hat im Zwischenbericht den Suchbereich nach unten auf 1500 Meter verschoben.

Auf der Teilgebietekonferenz wurde Frau Rienäcker-Burschil gefragt, wie sie zu dieser Neubewertung kommt.

Nicht ganz wörtlich, aber das hat sie darauf geantwortet: “Erst einmal muss man feststellen, dass wir für alle Wirtsgesteine die selbe Suchteufe angelegt haben. Wenn sich in den  weiteren Untersuchungen herausstellt, dass man für das eine oder andere Wirtsgestein zu andern Ergebnissen kommt, werden wir das in den nächsten Schritten prüfen.”

Eine wissenschaftliche Neubewertung hat es also nicht gegeben, sondern die 1500 Meter sind gegriffen und nicht abgeleitet.

Hier zum Nachhören etwa ab 7:05:00

Beispiel Granit

EinE KonfernzteilnehmerIn wolte wissen, warum denn zwar bei Salz und Ton “Identifizerte Gebiete” über die Abwägungskriterien ausgesiebt wurden, nicht aber beim Granit.

Antwort 1 Herr Kreye (BGE): “Die sind sehr groß

Antwort 2 Herr Rühaak (BGE) “Eine Ergänzung dazu, dass ist der relativ schlechte Erkundungsgrad der kristalinen Gebiete. … Das ist in Deutschland überall gut, wo man nach Rohstoffen gesucht hat. Und das ist im Kristalinen nicht so.”

Und damit: Im Zweifel geeignet.

Hier zum Nachhören etwa ab 8:54:30

Beispiel Ton

Herr Rühaak von der BGE stellt bei der Erläuterung der Abwägungskriterien das Teilgebiet Opalinus-Ton in Süddeutschland als Beispiel vor.

 Hier zum Nachhören etwa ab 8:34:00

Die Datengrundlage reiche zum jetzigen Zeitpunkt nicht aus, man gehe aber davon aus, dass es günstige Bereiche gebe. Im Weiteren wurden mehrere Indikatoren besprochen und es zeigte sich, dass es wesentliche Unterschiede zwischen den nördlichen und südlichen Bereichen gibt. Auch hier wurde deutlich gemacht, dass die Datengrundlage nicht reicht, dass man aber im Süden davon ausgeht, dass es hier Bereiche ohne Verkarstung gibt. Der Norden wurde weniger günstig prognostiziert. Dennoch bleibt das komplette Teilgebiet im Rennen.

Und die Gesamtfläche wird wieder um viele Quadratkilometer vergrößert – das Betroffenheitsgefühl damit reduziert. Psychologisch ein geschickter Schachzug.

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