Japan: Gefahr einer Kernschmelze, Strahlenbelastung in Asche und Regierung will Oi-AKWs wieder anfahren

1. Seit 12.04. nachmittags steht auf der Seite von NISA (jap. Agentur fuer nukleare Sicherheit) eine Warnung: Das Kuehlsystem fuer das Abklingbecken des 4. Reaktors sei gestoert. Es trete vermehrt Kuehlfluessigkeit aus.

Daher sei das Kuehlsystem unterbrochen. Die Wassertemperaturim Abklingbecken habe am Nachmittag des 12.04. 28℃ betragen, steige aber stuendlich um 0,5℃ an. Man habe 2 Lecks entdeckt und bereits geschlossen. NISA loest jedoch die Warnung nicht auf, dass die Wassertemperatur dadurch nicht mehr steige. Es besteht daher immer noch die Gefahr, dass die alten Brennstaebe (ueber 1000 Stueck!) ueberhitzt werden und zur Kernschmelze kommen koennten.

Quelle: http://kinkyu.nisa.go.jp/kinkyu/2012/04/3964131400.html

2. Vor Kurzem wurde die genaue Strahlenbelastung der Asche aus 2 Muell-verbrennungsanlagen in der Praefektur Iwate (noerdlich von der Praefektur Fukushima) bekannt, die Muell (Schutt) aus dem Tsunamigebiet bereits verbrannten (und weiter verbrennen sollen).

Sie betrug in der Stadt Ichinoseki (ca.170km noerdlich vom AKW Fukushima-Daiichi):

am 05.07.2011: Flugasche = 26000Bq/Kg, Restasche = 1640Bq/Kg,
am 22.07.2011: Flugasche = 30000Bq/Kg, Restasche = 1550Bq/Kg,
am 24.08.2011: Flugasche = 14700Bq/Kg, Restasche = 1830Bq/Kg.

Sie betrug in der Stadt Oushu (ca.200km noerdlich vom AKW Fukushima-Daiichi):

am 09.07.2011: Flugasche = 10100Bq/Kg,
am 13.07.2011: Flugasche = 10500Bq/Kg,
am 02.09.2011: Flugasche = 5700Bq/Kg.

Die beiden Staedten liegen nicht direkt am Meer (es gab keine Tsunami-Schaeden), doch wurde der Muell auch aus dem Tsunami-Gebiet hingebracht und mit dem Muell aus eigenen Staedten zusammenverbrannt. Die Bewohner wurden aber darueber nicht informiert, und es wird vermutet, dass die Arbeiter der Muellverbrennungsanlage stark verstrahlt wurden.
Prof. Katsuma Yagasaki (Prof. der Physik) nach soll Caesium im festen Zustand bei 28,4℃ fluessig werden und bei 640℃ gasfoermig. Allerdings werde es bereits ab 28,4℃ teilweise durch Verdunstung gasfoermig. In den jap. Muellverbrennungsanlagen wird der Muell bei 800℃ verbrannt, um die Entstehung von Dioxin zu verhindern. Dadurch wird radioaktives Caesium vollstaendig gasfoermig. Ein sog. Bagfilter kuehlt die Verbrennungsgase auf ca. 200℃ ab. Da in der Anlage ein gewisser Dampfdruck herrscht, kann Caesium jedoch schon bei tieferen Temperaturen, z.B. 200℃, gasfoermig werden. Ein Backfilter kann also das Caesium nicht zurueckhalten, wie es das Umweltministerium behauptet.

Mittlerweile macht ein Witz darueber die Runde: „Ein Slip haelt den Pfurz nicht auf“…
Jetzt moechte die Regierung die Verbrennung des radioaktiv verseuchten Muells aus Fukushima Entsorgungsfirmen fuer industriellen Sondermuell ueberlassen.

Quelle: Mailinglist von Noduproject Nr. 04387, 04407

3. Die Regierung hat beschlossen, trotz des grossen Protests aus ganz Japan den 3. und 4. Reaktor des Oi-AKW noch im April wieder anzufahren, welche den sog. Stresstest ueberstanden haben. Vor kurzem wurde aber bekannt, dass fast alle Konzerne, die mit AKW zu tun haben (Bau, Betrieb, Netzbetrieb), in den letzten 4 Jahren Bestechungs-summen von ca. 2,5 Mio Euro an die ueberpruefende staatliche Organisation gezahlt haben, in 2011 alleine 1,2 Mio Euro.

Der Protest geht aber weiter, der Buergermeister der Praefektur Fukui und die Buergermeisterin der Gemeinde Oi sind absolut gegen das Wiederanfahren der Reaktoren, obwohl die Region bisher wirtschaftlich fast vollstaendig von der Nuklearindustrie abaengig war.

Quellen:
http://sankei.jp.msn.com/affairs/news/120403/crm12040307310000-n1.htm,
http://www.jca.apc.org/mihama/index.html (Eintrag vom 14.04.12),
Mailinglist von Avaaz vom 14.04.12.

Geschrieben von Michi Kitazawa-Engel am 16.4.2012

Ein Kommentar zu Japan: Gefahr einer Kernschmelze, Strahlenbelastung in Asche und Regierung will Oi-AKWs wieder anfahren

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