Und er bewegt sich doch: Kieler Umweltminister Habeck geht auf Kritik am eigenen Konzept zum Umgang mit AKW-Schrott ein

erdeFreigabe, das ist eines der umstrittensten Themen in der bundesweiten Diskussion um den AKW-Rückbau. Dahinter verbirgt sich das Konzept, über 90% des Bauschuttes als “Normalmüll” zu deklarieren. Darunter unbedenkliche Dinge, wie das Kantinengebäude, aber auch Bauteile und Betonreste, die noch eine geringe Reststrahlung haben. Ein Teil des so freigemessen Bauschuttes soll auf Bauschuttdeponien, ein Teil wird wieder zu Baustoff. D.h. er findet sich später in neuen Gebäuden und Straßen wieder. 10 µSv ist hier das Zauberwort. Alles was unter diesen Grenzwert gemessen wird, soll unbedenklich sein. Dabei ist die Datengrundlage für das Konzept stark veraltet und unter unabhängigen Fachleuten umstritten (Downloads mit Hintergrundinfos unten).

In Schleswig-Holstein war bisher die Linie des Ministeriums, dass der Teil, der deponiert werden muss “gerecht” auf alle Deponien im Land verteilt werden soll. Was man dabei grundsätzlich vergessen hat, ist das es auch Menschen gibt, die da vorher gefragt werden wollen. Überall – und das nicht nur in Schleswig-Holstein – regt sich Unmut und Widerstand. Dabei geht es sowohl um die Kritik an der Freigabepraxis als auch an der Art und Weise, wie hier von „oben herab“ ohne Einbeziehung der Bevölkerung Konzepte durchgedrückt werden sollen.

Nun wird  Umweltminister Habeck in den Kieler Nachrichten mit einer neuen Idee zitiert. Der AKW-Bauschutt soll auf dem Kraftwerksgelände gelagert werden. Damit greift er Ideen auf, die schon seit Längerem von Umweltverbänden  in die Diskussion eingebracht werden. Das ist ein erstes Bewegen der Kieler Atomaufsicht, das LAgAtom durchaus begrüßt. Hier könnte ein Ansatz sein, der den bundesweit schwelenden Konflikt löst.

An zwei Stellen des Artikels in den  Kieler Nachrichten sind wir dann aber doch etwas verwundert. Habeck wir damit zitiert, er wolle gegenüber der Forderungen aus der Anti-AKW-Bewegung hart bleiben, die Meiler „einzumotten.“ Da fragen wir uns: „Wo war der Mann in den letzten Jahren und hat er eigentlich mal hingehört, was da gefordert wird.“ Es gibt eine intensive Diskussion,  um die Frage nach der Silllegungsstrategie. Im Thesenpapier der Atommüllkonferenz, der Plattform der Anti-Atom-Inis, wird gefordert, dass für jeden Standort geprüft wird, ob „Einschluss“ oder „Rückbau“ die unter Strahlenschutz- und Sicherheitsgesichtspunkten die beste Variante ist.  Von einer Vorfestlegung auf „Einmotten“ ist da keine Rede. Im Rahmen des HZG-Dialog hat sich die Begleitgruppe – LagAtom ist hier eine Teil – z.B. nach dieser Prüfung den Plänen des Betreibers angeschlossen, sofort in den Rückbau zu gehen.

So what? Will Habeck ernsthaft sagen, dass man sofort Rückbauen soll, auch wenn eine derartige Prüfung für den Standort X ergibt, dass hier ein befristeter Einschluss die bessere Lösung wäre?

Der zweite Punkt, der aufstößt ist, dass man hinter „verschlossener Tür“ beraten will. Leider wird in dem Artikel nicht gesagt, wer sich hinter dieser Tür befindet. Wir hoffen, dass es auch Vertreter von Umweltverbänden und den betroffenen Kommunen sind und nicht nur Herr Habeck und die AKW-Betreiber. Denn nur wenn nicht wieder der Eindruck entsteht, dass hier gemauschelt wird, hat der neue Ansatz eine Chance.

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Ein Kommentar zu Und er bewegt sich doch: Kieler Umweltminister Habeck geht auf Kritik am eigenen Konzept zum Umgang mit AKW-Schrott ein

  1. Karsten Hinrichsen sagt:

    Bei allem Frust über sein bisheriges Verhalten sollte mensch doch anerkennen, dass Minister Habeck nun auch andere Lagermöglichkeiten für den gering radioaktiven Atommüll ins Auge fasst.
    Allerdings musste dem Minister gehörig nachgeholfen werden:
    Die Deponiebetreiber in SH haben die Annahme jeglichen Materials aus den Atomanlagen konsequent verweigert, so dass Lagerengpässe auf den AKW-Geländen ins Haus stehen
    und
    Umweltverbände, Entsorger, kommunale Verbände wollen einen “Dialog auf Augenhöhe” zum Rückbau der AKW initieren
    und
    die Bügermeister der Städte Geesthacht und Brunsbüttel können sich eine Alternativlagerung auf den AKW-Geländen vorstellen, ein mutiger Schritt, den sie gegenüber ihrer Bevölkerung begründen müssen (was aus Sicht des Strahlenschutzes aber vernünftig ist).
    Wenn nun auch noch die von Vattenfall für den Rückbau beantragten jährlichen Freisetzungen an flüssigen und festen Stoffen über Schornstein und mit dem Abwasser um den Faktor 1000 (eintausend; das entspricht den tatsächlich im Leistungsbetrieb getätigten Emissionen) in den Genehmigungsbescheiden für den Rückbau gesenkt werden, könnte ich gut mit deren Rückbau leben.

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