Hauptkritikpunkte am Krümmel-Rückbaukonzept

Die zentralen Kritikpunkte am Rückbaukonzept des AKW Krümmel lassen sich wie an allen Standorten auf einen einzigen Satz zusammfassen „Und keine weiß wohin mit dem Atommüll – nur günstig soll es sein“ . Hochradioaktive Brennelemente,  schwach- und mitelradioaktive Bauteile des Reaktors, leichtverstrahlter Bauschutt – alle vorliegende Konzepte zum Verbleib stehen auf tönernen Füßen. Dafür steht in den Antragsunterlagen, dass auch wirtschaftliche Gesichtspunkte bei der Entscheidung zwischen zwei möglichen Optionen eine Rolle spielen sollen.

An dieser Stelle ist es wichtig, dass sich die Öffentlichkeit einmischt, damit der Rückbau sicher und nicht billig wird.


Vor Beginn der Arbeiten muss die Anlage frei von Brennelementen sein!


Aktuell sehen die Planungen des Betreibers  vor, schon mit Rückbaumaßnahmen zu beginnen, bevor die Anlage frei von Brennelemente ist. Das Problem ist hier die ungewöhnlich hohe Anzahl von 154 defekten Brennstäben. Zum Teil haben sie Abriebstellen an der Oberfläche, zum Teil stammen sie aus einem verbogenen Brennelement. Für diese sind die üblichen CASTOR-Behälter nicht zugelassen. Der Betreiber hofft zwar, dass es rechtzeitig einen neuen Behältertyp bzw., spezielle Köcher für die Defektstäbe gibt. Ganz sicher scheint man aber nicht zu sein, ob das rechtzeitig klappt. Sonst hätte man beantragen können, dass die Rückbaumaßnahmen erst nach dem Entfernen der Brennelemente beginnen. Ein sicherheitsorientiertes, bedächtiges Vorgehen sieht da anders aus.


Kein Rückbau ohne Konzept für defekte Castorbehälter!


Aber auch wenn man hier eine Lösung gefunden hat, enden die Probleme mit der Lagerung des hochradioaktiven Mülls am Standort nicht. Aktuell rechnet niemand damit, dass vor 2050 ein Endlager zur Verfügung steht. Viele Experten gehen sogar davon aus, dass es bis zum Ende des Jahrhunderts dauern wird.  Bis dahin sind aber weder das Zwischenlager noch die CASTOR-Behälter ausgelegt. Hier endet die Genehmigung bereits 2046.  Sollte es 2050 überhaupt schon ein Endlager geben, werden dann die bundesweit 1600 CASTOR-Behälter nicht plötzlich über Nacht unter der Erde verschwinden. Wie man die Sicherheit für die zusätzlichen Jahre oder Jahrzehnte Zwischenlagerung an Standorten wie Geesthacht gewährleisten will, ist bundesweit ungeklärt. In den USA wurde ein baugleicher CASTOR nach 15 Jahren probehalber geöffnet. Schon nach dieser kurzen Zeit wiesen die Haltevorrichtungen für die Brennelemente im Inneren wesentliche Risse und Veränderungen auf.

Am AKW Krümmel sehen die bisherigen Rückbaupläne des Betreibers keine Reparatureinheit für defekte CASTOR-Behälter vor. Würde heute ein Defekt festgestellt werden, kämen die Brennelemente zurück ins AKW. Das wird ja aber laut Betreiber in 25 Jahren zu „Grünen Wiese“ werden, während die CASTORen weiterhin ohne Back Up in ihrer Zwischenlager-Halle ihr Haltbarkeitsdatum überschreiten.


Die Antragsunterlagen müssen klar beschreiben, was der Betreiber vorhat!


Für den Schwach- und Mitelradioaktiven Atommüll lassen die öffentlich zugänglichen Unterlagen viele Fragen offen. So soll zum Beispiel die Konditionierung der Abfälle am Standort oder extern an einer anderen Anlage in Deutschland oder auch im Ausland erfolgen. Da es nach unserer Kenntnis noch keine Konditionierungsanlagen auf dem Mond gibt, hat sich der Betreiber damit alle denkbaren Optionen offen gelassen.

Ähnlich verhielt es sich mit der Frage, wie und wo die für Abfälle dann gelagert werden sollen, bis sie in den Schacht Konrad gebracht werden. Im Scoping-Termin hat LAgAtom gefordert, dass der Betreiber eindeutig sagen muss, was er den vor hat. Für die Lagerung am Standort ist diese geschehen, das muss sich aber auf alle Beriche erstrecken, damit die Unterlagen für den Erörterungstermin so konkret sind, dass eine Beurteilung durch betroffene BürgerInnen und Verbände möglich ist.


Den Atommüll muss so am Standort gelagert werden, dass er auch über Jahrzehnte sicher überwacht werden kann!


Schacht Konrad ist dabei das nächste Stichwort. Ursprünglich war die Inbetriebnahme für 2014 geplant. Doch immer wieder stießen die Betreiber bei den Ausbaumaßnahmen auf unerwartete technische Probleme. Aufgrund „erheblichen Sanierungsbedarfs bei den Schächten und der Hauptstrecke unter Tage“ bestätigte das Bundesumweltministerium im Mai 2013 eine Verzögerung bis mindestens 2022. Dieser Termin sei nach Einschätzung des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) jedoch mit Unsicherheiten behaftet. Und selbst wenn es ein Endlager geben wird, ist mit erheblichen logistischen Verzögerungen zu rechnen, denn alle Standorte wollen ihren Atommüll loswerden. Dass Geesthacht dann als Erstes dran ist, bezweifeln wir. Wir gehen daher von einer jahrelangen, ja eventuell sogar jahrzehntelangen Lagerung der Atommüllbehälter aus.Das sehen die aktuellen Lagerkonzepte aber nicht vor.

Zudem stellt der „Schacht Konrad“  einen zentralen Streitpunkt zwischen Anti-Atom-Initiativen und Atomatomanlagen-Betreibern dar. Von Beginn an wurde die Erkundung von Protesten aus der Bevölkerung begleitet. Und auch der Planfeststellungsbeschluss von 2002 hat der Kritik am Auswahlverfahren und der Eignung des Schachtes für die Atommülllagerung keinen Abbruch getan. Der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel fordert genau wie die Stadt Salzgitter, die dortige IG Metall (mit vielen Tausend Beschäftigten bei VW, den dortigen Stahlwerken etc.), dem Verein Landvolk Braunschweiger Land und der Bürgerinitiative AG Schacht KONRAD, dass die Problematik der Lagerung von schwach- und mittelradioaktivem Müll und damit der „Schacht Konrad“ erneut auf den Prüfstand kommt. Wir als LAgAtom schließen uns dieser Forderung an.


Keine zusätzliche Erhöhung der natürlichen Hintergrundstrahlung durch die weiträumige Verteilung von leichtstrahlendem Bauschutt!


Große Bedenken haben wir gegenüber den Plänen des Betreibers, 98,5 % der Gesamtmasse ins  ganz normale Bauschuttrecycling und –entsorgungsverfahren zu geben. Über das sogenannte Freigabeverfahren würde ein Teil deponiert, verbrannt oder eingeschmolzen (1 %), für den weitaus größten Rest wird gar nicht vorgegeben, wo er verbleibt.

Im Rahmen des Rückbaus von Atomanlagen werden in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zigtausende Tonnen von leichtstrahlenden Materialien in die Umwelt entlassen. Darunter ist der Bauschutt des Bürogebäudes – aber auch Materialen aus dem Kontrollbereich, der zunächst gewaschen und geputzt werden muss, um die Kontamination unter den Grenzwert zu bekommen.

Das zugrunde liegende 10-μSv-Konzept ist in der Fachwelt äußerst umstritten und geht von völlig veralteten Datengrundlagen aus. Schon 2005 hat das Bundesamt für Strahlenschutz das Konzept als wissenschaftlich nicht haltbar bezeichnet.

Als weitere Vertiefung zum Thema empfehlen wir:

Die Freigabe bedeutet, gerade im Hinblick auf die vielen anstehenden AKW-Rückbauten eine zusätzliche Erhöhung der natürliche Hintergrundstrahlung. Das halten wir nicht für verantwortbar, statt dessen fordern wir  andere Konzepte zum Umgang mit den leicht strahlenden Materialien. Auch die Ärztekammer Baden-Württemberg hat sich kritisch zu den bisher vogesehenen Freigabepaxis geäußert.

Aus Sicht des Genehmigungsbehörde (MELUND) sind die Freigabeabfälle unbedenklich. Man stehe derzeit mit 7 Deponien in Schleswig-Holstein im Kontakt. Das Konzept sehe vor, die zur Deponierung beschränkt freigegebenen Abfälle hier hin zu bringen. Die AKW-Betreiber hätten sich bereiterklärt, nur diese Deponien und keine in anderen Bundesländern zu nutzen.  Doch der Widerstand an den Deponiestandorten wächst auch in Schleswig-Holstein zum Beispiel in Schönwohld bei Kiel. Zur Zeit will kein Deponiebetreiber die leichtstrahlenden Abfälle annehmen. Lange ist man in der Genehmigugsbehörde davon ausgegangen, dass es nur noch etwas Überzeugungsarbeit fehlt. Lamgsam zeit sich aber, dass man in Kiel bereit ist, auch über andere Konzepte nachzudenken.


Minimierungsgebot einhalten – Abgabegrenzwerte maximal reduzieren!


Dass Sicherheit nicht das einzige Kriterium ist, zeigt sich an den Antragsunterlagen. Hier findet sich die Aussage, dass Entscheidung zwischen alternativen Maßnahmen und Rückbauverfahren auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten getroffen werden. Beim Scoping-Termin hat sich das MELUND von dieser Aussage des Betreibers klar distanziert. Es bleibt zu hoffen, dass sich das auch darin wiederspiegelt, dass die beantragten Abgabegrenzwerte und die Fortluft, ins Abwasser und direkt in die Elbe deutlich reduziert werden. Hier darf als einziges Kriterium nur der Schutz von Mensch und Umwelt gelten.

Als sehr kritsich bewerten wir, das in allen Rückbauverfahren übliche Vorgehen, die Abagbegrenzwerte über den Schorstein und Abwasserrohr  an den Werten auszurichten, die auch im Betreib genehmigt waren. Ein Zusammenhang lässt sich hier kaum herstellen. Und wenn man weiß, dass die genehmigten Werte so hoch waren, dass sie im Betrieb nie erreicht wurden, kann man sicher sein, dass da auch für den Rückbau so viel Spiel drinn ist, dass der Betreiber sich das eine oder andere kostspielige Verfahren sparen kann, weil man auch mit der Billigvariate unter den Werten bleibt.


Atomtransport reduzieren, Sicherheitskonzepte erstellen!


Mit dem Rückbau von Atomanlagen sind eine Unzahl von Transporten verbunden. Atommüll wird zu Konditionierungsanlagen gefahren, dort verpresst, verbrannt, eingedampf und gschmolzen. Dann geht der kompremierte, immer noch strahlende Müll wieder auf Straße und Schiene zurück nach Geesthacht. Nicht alle Transporte sind dabei vermeidbar, viele schon. Der aktuellen Rechtslage entsprechend, gibt es nach dem Verlassen des AKW-Geländes niemanden, der überprüft, wo die Trasporte entlang fahren. Damit  kann weder die Starhlenbelastung der AnwohnerInnen überprüft werden noch können Kommunen Katastrophenschutzmaßnahmen darauf abstimmen. Hier braucht es klare Konzepte.


Und was bleibt zu tun?


Man kann die Betreiber und die Genehmigungsbehörde machen lassen oder sich einmischen. Vermutlich Anfang 2018 wird Vattenfall sich im öffentichen Beteilgungsverfahren den Einwenden aus der Bevölkerung stellen müssen. Machen wir es ihnen nicht zu einfach.

Die bisherigen Antragsunterlagen findet ihr hier:

Rückbauantrag-AKW Krümmel

Scoping-Unterlage_AKW Krümmel