Warum ist es so wichtig, dass wir in Gorleben demonstrieren?

Miriam Staudte auf der Montagsdemo in Lüneburg am 01.11.2010

Liebe Lüneburgerinnen und Lüneburger!

Am letzten Donnerstag hat der Bundestag Laufzeitverlängerungen von 12 Jahren beschlossen.

Wir stellen fest: Eine Regierung hat den Kontakt zur Mehrheit der Bevölkerung verloren, eine Regierung hört nicht auf ihre eigenen Sachverständigen und Regierung nötigt ihre eigenen Abgeordneten, denn ich bin überzeugt: viele Abgeordnete haben am Donnerstag auch gegen ihr eigenes Gewissen stimmen müssen. Mein Respekt gilt denjenigen 5 Abgeordneten, die den Mut hatten nicht mit der eigenen Fraktion zu stimmen. Das gibt mir Hoffnung.

Hoffnungsvoll bin ich auch, weil ich mir sicher bin, dass das Bundesverfassungsgericht diesen Beschluss für Laufzeitverlängerungen kippen wird. Denn die Argumente für Atomausstieg sind auf unserer Seite: Laufzeitverlängerungen sind aus 5 Gründen abzulehnen: Terror, Leukämie, Atombombe, Gau und Atommüll

Terrorgefahr

Vor 11. Sept 2001 hat sich keiner ernsthaft mit Problematik Flugzeugabstürze auf laufende AKWs beschäftigt. Aber heute isat uns bewußt, dass jeder Tag, den ein ungesichertes AKW läuft, unendliche Gefahren für Millionen von Menschen birgt.

Leukämie

Seit der Veröffentlichung der Kinderkrebsstudie, wissen wir, dass die Kinderkrebsrate steigt, je näher ein Kind an einem AKW wohnt. Das Krebsrisiko für U5-Kinder im 5km-Radius an Leukämie zu erkranken steigt um 120%.Die im Auftrag des Bundesamts für Strahlenschutz erstellte Studie hat einen Zeitraum von 23 Jahren erforscht. Qualitativ hochwertigere Studien gibt es dazu nicht. Fazit der Studie für uns eindeutig: Schon der Normalbetrieb birgt Gefahren, die bislang unterschätzt wurden. Der Beschluss von Laufzeitverlängerung ist ein Schlag ins Gesicht derjenigen Eltern, schon Kinder verloren haben.

Atombomben

Zivile und militärische Nutzung sind Zwillingstechnologien, die kaum von einander zu trennen sind. Atomkraft gefährdet den Weltfrieden. Eine Welt ohne Atomwaffen , muss auch eine Welt ohne Atomkraftwerke sein.

GAU

Vor 24 Jahren ereignete sich die Tschernobyl-Katastrophe, Zahl der Toten ungewiss. Schätzungsweise 600-800.000 junge Männer wurden als Liquidatoren ins Inferno geschickt, um den brennenden Reaktor abzudichten. In der Ukraine werden 17.000 Familien entschädigt, weil die Väter und Ehemänner in der Folge ihres Einsatzes starben oder schwer erkrankten. Übrigens: Noch heute werden in Bayern Entschädigungen an Jagdpächter gezahlt, weil Wildbret zu verstrahlt ist. Jeder Tag Laufzeitverlängerung für altersschwache Reaktoren wie Krümmel erhöht auch in Deutschland die Gefahren eines solchen Größten anzunehmenden Unfalls.

Atommüll

Ja und dann der letzte Hauptgrund der Atommüll: ca. 4800 Tonnen mehr radioaktiver Atommüll, entspricht ca. 500 zusätzlichen Castoren fällt an.

Zum Vergleich: Das gesamte bekannte Inventar der Asse entspricht von der Radioaktivität einem Hundertstel/ Zweihundertstel eines Castors. Mit anderen Worten: Die Asse muss ein Warnschuss für uns gewesen sein. Wieder in einem Salzstock Atommüll zu versenken, obwohl es warnende Geologen gab und gibt, wäre der größte anzunehmende Fehler, den die Politik machen könnte.

Wer aus der Geschichte nicht lernt, ist verdammt sie zu wiederholen.

30 Staaten nutzen die Atomkraft ( zur Deckung von 16% des Strombedarfs). Weltweit existiert kein Endlager, in etlichen Ländern noch nicht mal eine Forschung dazu. Deutschland ist das einzige Land, das nur auf Salz setzt. Wir sind international diejenigen, die am meisten Erfahrungen mit Salz gesammelt haben: In der absaufenden Asse und im einstürzenden Salzstock Morsleben. Die Niederlande und Spanien sind die einzigen, die überhaupt noch Salz in Erwägung ziehen neben anderen Wirtsgesteinen. Beide planen aber 100jährige Zwischenlagerung. Deutschland stehen mit Salz allein da.

Warum ist es so wichtig, dass wir in Gorleben demonstrieren?

Nach den Aktenrecherchen von Greenpeace und der BI Lü-Dan wissen wir heute: Geologen wurden im Mai 1983 von Bundeskanzleramt und Innenministerium unter Druck gesetzt und mussten das Fazit des Zwischenbericht der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt ändern:

Der Satz zur Unsicherheit bezüglich der Eignungsaussagen wurde eliminiert. Der Satz lautete künftig: Die bisherigen Erkenntnisse haben die Aussagen über die Eignungshöffigkeit voll bestätigt.

Die Forderung alternative Standortsuche wurde herausgestrichen

Seither wird im Salzstock Gorleben wird nicht ergebnisoffen geforscht:

In Gorleben werden mit jedem neuen Transport Fakten geschaffen:

  • 91 Castoren oberirdisch, wenige 100 Meter von Salzbergwerk
  • Pilotkoditionierungsanlage
  • Strecken ausgebaut
  • Sicherheitsanforderungen werden vom Bundesumweltministerium auf Gorleben zugeschnitten (Dort sitzt der ehemalige Atommanager Gerald Hennenhöfer als Leiter der Atomaufsicht und tut alles, um Gorleben durchzudrücken. Dort wird das Konzept der behälterlosen Endlagerung vorangetrieben- behälterlos bedeutet definitiv: Rückholbarkeit ausgeschlossen! Das Mehrbarrierenkonzept wurde aufgegeben – wie passend, fehlt doch in Gorleben ein durchgängiges Deckgebirge.)

Es ist ein Skandal, dass diese Sicherheitsanforderungen im Stillen Kämmerlein erarbeitet werden, obwohl 30.000 Generationen mit den Folgen dieser Entscheidung leben müssen.

Uns wird Transparenz versprochen – wir fordern Transparenz ein: Parlamente müssen künftig an der Erstellung der Sicherheitsanforderungen beteiligt werden.

Die Geologie spricht gegen Gorleben: Das Deckgebirge ist auf 7,5Quadratkilometern abgelaugt, das Wasser steht direkt auf dem Salzstock, es gibt Laugennester, die mobilisiert werden können, wenn der 200 Grad warme Atommüll eingelagert werden würde, es gibt Permafrostrisse aus der Eiszeit, die bis auf den Lagerhorizont hinabreichen, es gibt wasserlösliches Carnalitt, dass ausgewaschen werden könnte, so dass es zu Tagbrüchen kommt – Arendsee-, es gibt das umstrittene Anhydrit, das klüftig bricht, Spalten entstehen, es gibt Erdölnester, und es gibt unerforschte Gasvorkommen. Dazu wird Greenpeace morgen in Berlin neue Fakten veröffentlichen.

Wir fühlen uns ohnmächtig angesichts der Arroganz mit der man über diese Erkenntnisse hinweggeht – aber wir sind nicht ohnmächtig:

Selbst CDU-WählerInnen wollen zu 52% am Ausstieg festhalten. Wir repräsentieren in der Frage des Ausstiegs aus der Atomkraft die Mehrheit der Bevölkerung!

Laut Emnid haben 80% der Bevölkerung Verständnis für die Castorproteste.

Und ich bin auch überzeugt: Die Mehrheit der Polizisten ist nicht begeistert, dass dieser gesellschaftliche Konflikt wieder aufgebrochen wurde.

Wir werden friedlich protestieren, wir werden bunt protestieren.

Ich lade alle ein, die noch nie im Wendland waren. Beteiligen Sie sich an der Auftaktveranstaltung am Samstag. In den Tagen danach kann jeder selbst entscheiden, ob er sich an die Straße stellt oder sich auf die Straße setzt. Ob er aufsteht, wenn die Straße geräumt wird oder ob er sich wegtragen lässt.

Kommen Sie mit ihren Freunden an diesem Samstag nach Dannenberg. Und lassen sie uns gemeinsam Geschichte schreiben.

Ein Kommentar zu Warum ist es so wichtig, dass wir in Gorleben demonstrieren?

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