Kommentar von Dirk Werner zur aktuellen Presseberichterstattung der LZ im März 2013

Ich beschränke mich in diesem Kommentar lediglich auf die LZ, meine hierin enthaltene Kritik am aktuellen Pressewesen bezieht sich jedoch auch auf Zustände bei LZ, Lünepost, Kreisbote u. Hamburger Abendblatt.

Die aktuellen weltweiten Proteste und Mahnwachen waren ein deutlich sichtbarer Erfolg und wurden besonders von den Online-Medien sicher wahrgenommen. Nur die regionale Presse (LZ, Lünepost, Kreisbote u. Hamburger Abendblatt) will/kann an diesen Prozessen anscheinend nicht teilnehmen. Ob nun die Menschenkette um Grohnde oder Gedenkveranstaltungen zu Fukushima – all diese Ereignisse stehen z.B. bei der Landeszeitung (LZ) zur Zeit absolut nicht im Fokus. Nach einem Gespräch mit der Redaktion, wird Fukushima für die LZ , laut Hans-Herbert Jenckel, erst wieder am 10. Jahrestag interessant-daher gibt es derzeit auch keine Chance dieses Thema auf der Titelseite der LZ zu sehen!?

Über die Aktivitäten des Lüneburger Aktionsbündnis gegen Atom wird hier immer öfter nur noch auf den hinteren Seiten der LZ, in winzigen Randspalten, auf gerade Seiten, im Kniff des Doppelblatts, sehr verkürzt und verspätet berichtet. Zwar gewährt man uns aus einem aktuellen Anlass (z.B. im Wahlkampf/ bei AKW Störfällen) hin und wieder reichlich Platz für ein „Betroffenheits-Porträt“ – mit großem Foto und viel Gefühlsduselei, aber mit möglichst wenigen politischen Aussagen und Forderungen. Pressemitteilungen werden erst gar nicht abgedruckt, geschweige denn gelesen. Die Zeiten eines gemeinsamen Schulterschlusses von LZ und LAgAtom in Sachen Atom, wie zur Menschenkette oder der Resolution gegen Atomkraft (2010 vor dem LZ Gebäude), scheinen absolut vorbei zu sein.

Obwohl wir als eine sehr aktive Initiative vor Ort gelten, müssen wir uns vom LZ-Chefreporter Carlo Eggeling jedes Jahr auf Neue folgendes anhören:..“ die Anti-Atom-Bewegung ist seit dem sogenannten Ausstieg aus der Atomkraft doch irgendwie am Schwächeln oder zumindest stark zurückgegangen“. Doch gerade die große Anzahl der aktuellen Protestaktionen lassen diese Aussage in einem sehr merkwürdigen Licht erscheinen und werfen bei mir nun folgende Fragen auf:

Leiden die derzeitigen ReporterInnen der regionalen Presse vielleicht an akutem chronischem Zeit- u. Personalmangel?

Haben die Zeitungen durch ihren Dauerstress und der völligen Überlastung einzelner ReporterInnen keinen reellen Einblick mehr in die aktuelle Szene?

Verpassen sie vielleicht aus diesen internen ungesunden Gründen oft Themen und Termine und können sie vielleicht deshalb oft nur an der Oberfläche bleiben?

Erklären sie deshalb lieber die Anti-Atom-Bewegung für Tod?

Ist die LZ wirklich zufrieden mit diesem oft mageren Ergebnis der Berichterstattung?

Es wirkt, als wolle man sich mit diesem „tot reden“ der Antiatomszene nur nicht die Blöße geben, vor dem eigenen Unvermögen. Recherchieren ist hier anscheinend völlig out!

Ja, wer tiefer in die immer komplizierter werdende Problematik der Atomtechnologie eintauchen will, braucht eben Personal, Engagement und Zeit!

Doch zum Glück reagieren viele LüneburgerInnen hier völlig anders, immer mehr Menschen aus der Bevölkerung sind bereit sich aktiv in verschiedenste Thematiken und Prozesse einzubringen und sich damit auseinanderzusetzen, sei es z.B. mit den Problemen des Rückbaus (HZG, Brunsbüttel, Krümmel), der Zwischenlagerung (an sämtlichen AKW Standorten), der „Endlagerung“ ( Gorleben, Schacht-Konrad, Asse) oder den Geschehnissen um Fukushima und Tschernobyl. Diese Menschen erkennen die wirklichen Interessen unser Regierung hinter dem von uns so genannten „Pseudoausstieg“- sie sehen die Profit- und Machtinteressen von AKW-Betreibern, Banken und deren Gläubigern.

In früheren Jahren gab es hier eine gute Art der Zusammenarbeit zwischen der LZ und den Menschen von LAgAtom – doch jetzt ist dieser Bereich der Öffentlichkeitsarbeit aus meiner Sicht auf den absoluten Nullpunkt angelangt – für mich muss sich wirklich etwas ändern. Ich hoffe, die LZ findet zu Ihrer Haltung von 2010 zurück – mit gut recherchierten Texten, mit politischen Inhalten und Aussagen und echtem Kontakt zur bewegten Lüneburger Bevölkerung!

 

 

 

3 Kommentare zu Kommentar von Dirk Werner zur aktuellen Presseberichterstattung der LZ im März 2013

  1. Ich hoffe, Herr Werner orientiert sich, wenn er denn schon mit Namen zitiert, künftig an der Wahrheit und nicht an Baron Münchhausen.
    1. Vor, zum und nach dem Jahrstag sind in der LZ 9 Artikel zu Fukushima erschienen, die sich auf den GAU beziehen, davon vier mit lokalem Bezug.
    2. Die von Herrn Werner zitierte 10-Jahres-Klausel ist nie gefallen. Vielmehr ist darauf hingewiesen worden, dass in der Regel nach 1/5/10…. Jahren regelmäßig umfangreichere Berichterstattung zu Ereignissen von so großer Tragweite geplant ist, das war bei Tschernobyl so, bei 9/11 und anderen Katastrophen lokaler wie internationaler Art.
    3. Wir berichten, wir richten nicht. Schulterschluss im Zusammenhang mit Journalismus verträgt sich nicht.
    4. Alles drängt auf die 1. Seite, das ist ein berechtigter Wunsch, aber nicht immer zu erfüllen.
    5. Ich jedenfalls freute, wenn er Werner sachlich bliebe.

  2. Ach, ich dachte, man darf auch mal Fakten nennen…

    • AG-Öffentlichkeit//G sagt:

      > Ach, ich dachte, man darf auch mal Fakten nennen…

      Hallo Herr Jenckel,
      das begrüßen wir sehr, dass Sie „auch mal“ Fakten nennen wollen – nur zu…
      Wir tun das Unsrige dazu…

      Sollte es sich bei Ihrem 2. Kommentar (siehe oben) allerdings um eine Beschwerde handeln, dass Ihr Kommentar erst freigeschaltet werden musste, dann seien Sie dran erinnert, dass auch die LZ nicht jeden LeserInnenbrief veröffentlicht…

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