Alle Fakten liegen auf dem Tisch…

Freitag, 16. Juli 2010:

seit langem wird von der Anti-Atom-Bewegung genau das gesagt, was nun durch etliche Politmagazine (zuletzt ZDF-Frontal21-Dokumentation oder ARD-Kontraste vom gestrigen Abend) mit wissenschaftlichen Befunden gespickt, in die öffentliche Diskussion gebracht wird.
Alle Teile der atomaren Brennstoffkette sind mit riesigen Gefahren für Leib und Leben verbunden, vom Uranabbau bis zur niemals lösbaren Endlagerfrage.
Hier noch einmal die Basics:
Uranabbau
Vornehmlich in Naturschutzreservaten in Australien, Kanada, Namibia werden weite Landstriche verwüstet und noch größere durch die Freiluftlagerung des Abraums verstrahlt. Als erstes werden die Aborigines, also die urstämmige Bevölkerung der Länder geschädigt, denn ihr Lebensraum ist von der weitreichenden Verstrahlung am stärksten betroffen. Für ein paar Tonnen Uranbrennstoff zu erhalten, müssen etliche Millionen Tonnen Uranerz gefördert und zerkleinert werden. Durch Winde wird die Radioaktivität sehr weit ins Land getragen. Aber auch die in Wasser gelösten Abfälle verseuchen Flüsse und Küsten in weiten Bereichen.
Gerade von Befürwortern der Atomkraft wurde in jüngster Zeit oft vorgeschoben, dass wir auf Atomkraft angewiesen seien, weil wir unsere Abhängigkeit von Öl und Gas zugunsten heimischer Brennstoffe verringern müssen. Offenbar gehen die Herrschaften davon aus, dass Uran ein einheimischer Brennstoff sei…
Der einzige einheimische Energieträger sind die Erneuerbaren!
Urananreicherung / Weiterverarbeitung
Schon der Energieaufwand für den Uranabbau ist beträchtlich. Die Anreicherung und Nachbearbeitung des gewonnenen Urans ist dann noch einmal sehr energieträchtig und -intensiv. Auch hier entstehen Abfallprodukte, die entsorgt werden müssen.
Wie ein französisches Magazin im September 2009 publizierte, “entsorgen” französische, aber auch deutsche Unternehmen diese Abfallprodukte in Russland, getarnt als Wertstoffe werden sie dorthin transportiert und unter offenem Himmel, völlig ungeschützt gelagert!
Betrieb von AKW
Jede Regierung der Erde singt seinen Bewohnern das Liedchen von der “weltweit sichersten Technik und dem höchsten Standard” vor. So auch die Bundesrepublik. Was Sicherheit allerdings heißt, kann man an den zighundert Störfällen, die jedes Jahr in bundesrepublikanischen – und damit westlichen– AKW passieren, ablesen. Kurioser Weise, trotz aller Beteuerungen der Sicherheit, sind die ersten beiden Kernschmelzen in Atomkraftwerken in westlichen Anlagen (USA und Schweiz) passiert. Aber auch an beinahe GAUs fehlt es nicht, wie zuletzt in Forsmark (Schweden). Je älter die Anlagen werden, desto anfälliger werden auch die Bestandteile. Gerade sicherheitsrelevante Anlagenteile, die dem permanenten Beschuss durch Neutronenstrahlung und Gamma-Strahlung ausgesetzt sind, ist dies sogar für Laien nachvollziehbar.
Nach Einschätzung von Experten (alle ehemalige Befürworter von Atomtechnik und nun entschiedene Gegner!) ist es nur eine Frage der Zeit, bis ein schwerer, nicht mehr beherrschbarer Unfall in einer deutschen Anlage passiert.
Laut Politmagazin Kontraste gibt es eine besonders anfällige Baureihe, nach der in Deutschland 4 Meiler gebaut wurden: darunter auch Brunsbüttel und Krümmel!
Dazu kommt speziell bei Krümmel, dass es schon beim Bau erhebliche Schwierigkeiten gab. Die 4 Stahlringe, die zum Reaktordruckbehälter zusammengeschweißt werden sollten, passten nicht aufeinander! Es gab einen Kantenversatz von mehreren Zentimetern. Daraufhin wurden die Bauteile nicht etwa zum Hersteller zurückgeschickt. Nein, es wurde Hydraulikpressen verwendet, um die Ringe mit einer Wanddicke von ca. 40 cm so zu verformen, dass sie passten.
Später fand man heraus, dass der bei Breda in Italien gefertigte Stahl weder gereinigt, noch anderen Anforderungen entspracht so dass die Festigkeit in keiner Weise gegeben ist. Die durch den Bau dann hinzukommenden Verformungen sind lebensgefährlich riskant!
Man stelle sich einen Auspuff eines PKW vor, den man zunächst in die richtige Richtung pressen muss und ihn dann unter Spannung mit dem Krümmer verschweißt. Diese Schweißnaht ist die erste, die wieder aufgeht. Bei Krümmel soll das aber alles halten, obwohl dort mit extremen Belastungen im Betrieb des AKW gerechnet werden muss.
Also: Profit vor Sicherheit – auf ganzer Linie!!!
In anderen AKW sieht die Situation ganz ähnlich aus – so sind z.B. im AKW Grohnde ein Großteil der verwendeten, sicherheitsrelevanten Teile vom Anlagenhersteller selbst als sicher zertifiziert worden – mit dem bei einem bestochenen TÜV-Mitarbeiter gekauften TÜV-Stempel! So was gibts nicht? Gibts doch! Siehe hier…
Transporte
Noch kurz vor dem Super-GAU in Tschernobyl sprach die deutsche Atomindustrie in ihren eigenen Publikationen davon, dass die größte Gefahr nicht vom Betrieb von AKW ausginge, sondern von Atom-Transporten. Sie selbst gab das Risiko eines schweren Unfalls mit 1:1000 an. Das heißt, dass statistisch gesehen, jeder 1000ste Atomtransport in einen schweren Unfall, mit unkontrolliertem Austritt von Radioaktivität verwickelt sein könnte.
Dass für den Transport von hochradioaktivem Atommüll dazu noch absolut ungeeignete Behälter verwendet werden, wie selbst einer der Konstrukteure des CASTORs aussagt, ist dann völlig unverständlich. Denn alle Bereiche der Atomtechnik sollen immer mindestens in Doppelbarrierensystemen abgesichert sein. Der CASTOR hat keine doppelte Barriere. Eine Zerstörung der Außenwand des Behälters führt sofort zu einer massiven Freisetzung des hochradioaktiven Inventars. Ein Grund, warum in den USA die CASTOR-Behälter lediglich im Schritttempo gefahren werden dürfen und behandelt werden, wie rohe Eier.
Die uns von den Betreibern vorgegaukelten “strengen Tests” entbehren, bei genauerem Hinsehen, jeder Grundlage: So muss der CASTOR ein 800°C warmes Feuerchen eine halbe Stunde lang aushalten. Problem ist nur, dass so gut wie kein Feuer bei 800°C halt macht. Einem üblichen Unfallszenario bei Bahntransporten und stundenlangen Bränden bei mehreren 1000°C entspricht dieser Test jedenfalls nicht!
Auch der Sturz des Behälters aus 9m Höhe auf einen Stahldorn ist, verglichen mit der Realität eher ein Witz: Ein Fall aus 9m entspricht etwa einer Aufprallgeschwindigkeit von 45km/h. Der CASTOR wird aber mit 60km/h und mehr über die Schienen gefahren. Und über Brücken, die höher sind, als 9m…
“Entsorgung”
Weltweit ist die sichere Entsorgung noch nirgends gelungen. Wie auch? Alle Szenarien sind doch nur von Menschen erdacht und können unter Realbedingungen ja gar nicht getestet werden. Wie soll, selbst nach 30 Jahren auch nur ein Mensch sicher sein können, dass die Konstruktion über tausende, zehntausende, ja zum Teil Millionen Jahre hält? Ein Aberwitz.
Wie sicher sich die WissenschaftlerInnen dabei sind, konnte man ja im Salzbergwerk ASSE II sehen. Und da sind es auch erst 40 Jahre her, als alle ganz verdammt sicher waren, dass es auf ewig halten würde. Ähnlich im Endlager Morsleben. Heute heißt es dazu, dass das Endlager ja ein marodes DDR-Endlager sei. Aber warum wurde es von der Bundesrepublik nach der Wende mit dem überwiegenden Teil des heutigen Inventars befüllt wurde. Alles sei ja sooo sicher?
Der neueste Coup des Noch-Umweltministers Röttgen, den hochradioaktiven Atommüll ohne Behälter im Salzstock einzulagern, muss im Vollrausch entstanden sein. Es ist schlechthin die unglaublichste Variante an Verrücktheiten, die in Bezug auf Endlagerung jemals geäußert wurde.
WissenschaftlerInnen aus den Niederlanden haben dieses Szenario einmal untersucht und sind auf das Problem der Radiolyse gestoßen. Ein Problem, was auftritt, wenn Salz radioaktiver Strahlung ausgesetzt ist. Dies kann zu kleinen Quasi-Explosionen führen, die den kompletten Salzstock zunächst rissig und spröde macht, wodurch Wassereintritte beschleunigt werden. Später kann die gesamte Statik des Salzstocks so verändert werden, dass er einstürzt. Ein reger Austausch der Inhalte des Endlagers mit der Biosphäre wäre garantiert.
Wie kann dies von irgendeinem Menschen verantwortet werden?
Wie kann sich eine Bundesregierung / Landesregierung anschicken, diese Verantwortung auf sich nehmen zu wollen?

Offenbar geht es den Entscheidungsträgern (denn von Verantwortungsträgern mag man gar nicht sprechen!) hier nur um andere Werte, die ihnen wichtiger sind, als die Grundrechte aller beteiligter Menschen!

(Quelle: Webseite des Jugendverbands SJD - Die Falken / Unterbezirk Nordniedersachsen)

„Ausstieg aus der Ursachenforschung“.

unveröffentlichter Leserbrief von Ulrich Nettig, betr. LZ vom 24.11.2010, S.7, „Ausstieg aus der Ursachenforschung“

Sehr geehrte/r Redakteur/in der Landeszeitung

Mein Vertrauen in Politik und Medien ist seit vielen Jahren erloschen. Dennoch lese ich ab und zu Zeitung und höre manchmal Nachrichten. Durch das Fernsehen (ZDF) erfuhr ich vor bestimmt über 10 Jahren, oder sind es zwanzig, dass in der Umgebung des Atomkraftwerks Krümmel und der Atomversuchsanlage Geesthacht vermehrt Leukämiefälle bei Kindern aufgetreten sind. Da ich diese Nachricht aus verschiedensten Quellen hörte, auch von der Bürgerinitiative betroffener Eltern, glaube ich dass die Nachricht stimmt: „An keinem Ort der Welt gibt es eine so extreme Häufung von Krankheitsfällen wie in der Elbmarsch“, schreiben auch sie in der LZ.

Ganz anders allerdings als sie erinnere ich den ZDF-Bericht. Darin hieß es, dass betroffene Eltern verzweifelt und vergeblich in Deutshland ein wissenschaftliches Labor gesucht hätten, das die strahlenden Kügelchen, die sie gefunden hatten, untersuchen wollte. Erst in Russland hätten sie einen Professor gefunden, der die Bodenproben untersuchte und eindeutig bestätigte, dass sie aus einem atomaren Zerfallsprozess stammen, dass er aber nicht sagen könne woher.

Sie in der LZ schreiben von einem Wissenschaftler, der stark erhöhte Radioaktivität festgestellt habe, ein anderer habe nichts gefunden. Wer war das? Welches Institut? Ich vermute, dass sie nicht sauber recherchiert haben.

Wenn ihr Zitat von Roland Riese (FDP) dem Vorsitzenden des Ausschusses, der sich im Landtag um die Aufklärung kümmern soll, stimmt, dann hat Herr Riese sinngemäßt gesagt: „Die Eltern in der Elbmarsch sind uns mit ihren Kindern vollkommen gleichgültig. Wir reden weitere 20 Jahre liberal um die Radioaktivität herum, die Menschen werden schon vergessen, wer für den Tod und das Leiden der Kinder verantwortlich war?“ Habe ich ihr Zitat so richtig verstanden. Aber vor allem habe ich Herrn Riese, sollte er das gesagt haben, was sie in der Zeitung schrieben, richtig verstanden? Natürlich etwas in die Alltagssprache übersetzt?

Um das eben gesagte nochmals in die Politikersprache rückzuübersetzen:

„Die erhöhte Leukämierate sei ein sehr sensibles Thema, das eine behutsame Vorgehensweise erfordere. Das braucht schlicht seine Arbeitszeit.“ Das Ergebnis dieser „schlichten“ Aussage ist, dass keinerlei Beforschung der Leukämiefälle in der Elbmarsch im Zusammenhang mit den Atomanlagen mehr stattfindet und jegliche Ansätze zur Aufklärung von anderen gesellschaftlichen Gruppen und Parteien von CDU/FDP ignoriert werden.

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